|
15.06.09 - Das
gab es bisher nur von privaten Geldschefflern: Die AOK wollen ihre 25
Millionen Versicherten zur öffentlichen Bewertung ihrer Ärzte im
Internet aufrufen. Ärztevertreter protestieren lautstark gegen die
Pläne - von den anderen Kassen und der Politik gibt es dagegen
Rückendeckung.
Er erwarte
einen "Aufschrei" der Mediziner, sagte der Vizechef des AOK-
Bundesverbands, Jürgen Graalmann, als er die Bombe platzen ließ. Mit
einem eigenen Arzt-Bewertungsportal namens "AOK-Arzt-Navigator" soll im
Lauf des Jahres die Behandlungsqualität verbessert werden. Das
Internet-Portal könnte nach Meinung von Experten die gewinnorientierte
Konkurrenz von DocCheck und Co. innerhalb kürzester Zeit in die Tasche
stecken.
Die AOK-Pläne sind schon weit gediehen. Graalmann
versicherte, dass die Bewertungskriterien gemeinsam mit Medizinern
entwickelt würden. Erst wenn mehrere Bewertungen zusammengekommen und
somit aussagekräftig seien, werde die gesamte Beurteilung
freigeschaltet. Ausdrücklich ziele das Angebot nicht nur auf Service
ab, sondern auch auf Behandlungsqualität.
Hoppe: Bärendienst an den Versicherten
Die
Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) kritisierte die Pläne umgehend.
Ihr Sprecher Roland Stahl warnte vor einem "digitalen Ärztepranger".
Auch der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, erklärte
die AOK würden den "berechtigten Ansprüchen ihrer Mitglieder auf
qualitätsgesicherte Informationen einen Bärendienst." Der im Internet
anonym bewertete Arzt habe keine Möglichkeit, "auf Kritik zu reagieren
und Missverständnisse richtig zu stellen".
Hartmannbund-Chef
Kuno Winn befürchtet eine Verbindung zwischen dem Portal und den neuen
Selektivverträgen einiger Ortskrankenkassen. "Werden dann da vielleicht
aus Ärzten, die einen Hausarztvertrag mit der AOK abgeschlossen haben,
gute Ärzte mit prima Service-Leistungen und aus den anderen
schlechte?", fragte er. Gleichzeitig forderte er die ärztlichen
Vertragspartner der AOK auf, sich hier ebenfalls eindeutig zu
positionieren.
Patientenbeauftragte findet mehr Transparenz gut
Die
Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Helga Kühn-Mengel (SPD),
erklärte sich dagegen grundsätzlich einverstanden mit den Plänen. Sie
begrüße alles, was das Gesundheitssystem transparenter mache - solange
das Portal "absolut seriös und wissenschaftlich begleitet organisiert"
werde und Diskriminierung oder üble Nachrede verhindert werden könnten.
Auch
andere Krankenkassen zeigten sich offen für das AOK-Vorhaben. Es könne
aber nicht darum gehen, dass die Patienten pauschal Ärger oder
Zufriedenheit äußerten, sagte Barmer-Sprecherin Susanne Rüsberg-Uhrig.
Die Techniker Krankenkassen hält das Portal laut ihrer Sprecherin
Dorothee Meusch für sinnvoll und wird es "mit Interesse verfolgen".
Florian
Lanz, der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, wollte sich zwar nicht
konkret zum AOK-Modell äußern. Allerdings erklärte er: "Wir begrüßen
aber alles, was zu mehr Transparenz und besserer Versorgung führt".
dpa
|